Licht am Ende des Tunnels für Clubbetreiber

Philipp Erhart

Diskotheken vor der Pleite

541 Tage. So viel Zeit ist vergangen seit dem 17. März 2020, dem einschneidenden Datum, an dem sich Bayern in den Lockdown verabschiedete. Sechs Wochen lang stand alles still. Anders als in jedem anderen Bundesland durften nicht einmal die engsten Verwandten besucht werden. Dann begann das Ringen darum, wer wann, in welcher Reihenfolge und unter welchen Auflagen öffnen darf. Dabei kam, nach und nach, nahezu jeder zum Zug, doch über die Clubs und Diskotheken wurde in all dieser Zeit maximal geredet. Denn Öffnen war seitdem keine Option. Seit 541 Tagen.

Es liegt auf der Hand, dass diese Zeit ihre Spuren hinterlassen hat. Zwar übernimmt der Staat bis zu 90 Prozent der anfallenden Fixkosten. Doch das ist nicht genug, wenn über solch eine lange Zeit hinweg kein Eintritt bezahlt und kein einziges Bier getrunken wurde und somit der Umsatz im Kerngeschäft bei exakt 0 liegt. Daher summieren sich Stück für Stück die gestundeten Mieten und die für hoffnungsvolle Umbaumaßnahmen im ersten Lockdown aufgenommen Kredite und deren Zinsen. Kein Wunder also, dass sich die Branche in einem denkbar schlechten Zustand befindet.

Bereits im letzten November gaben bei einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands DEHOGA 94 Prozent der Clubbetreiber an, akut in ihrer Existenz bedroht zu sein. Seitdem sind viele weitere Monaten vergangen, ohne dass sich irgendetwas an ihrer Situation verändert hätte. Eine Branche steht kollektiv am Abgrund.

Öffnung unter Auflagen

Doch jetzt ist da Licht am Ende des anderthalb Jahre langen Tunnels: In einer Pressekonferenz nennt Markus Söder nun mit dem 1. Oktober erstmals ein konkretes Datum für die Öffnung der Clubs und Diskotheken. Zwar werden die genauen Auflagen dafür erst mit der nächsten bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung festgelegt, doch die Regierung ließ bereits als groben Rahmen durchblicken, dass die 3G-Regel gelten wird, wenn getestet dann mit einem PCR-Test. Ansonsten dürften sich die Vorgaben an anderen Bundesländern wie Baden-Württemberg orientieren, die bereits etwas früher ihre Clubs öffneten. Das würde, wenn ein ausreichendes Lüftungskonzept vorhanden ist, neben der 3G-Regel nicht mehr bedeuten als eine funktionierende Kontaktnachverfolgung. Die Maskenpflicht kann auf der Tanzfläche und in Sitzbereichen dann entfallen.

Lohnt sich das Öffnen?

Noch sind nicht wenige Clubbetreiber skeptisch, ob sich das Öffnen bei all dem nötigen Mehraufwand wirtschaftlich auch rechnet. Entweder muss in Luftreinigungsgeräte investiert werden oder eine geringere Auslastung in Kauf genommen werden. Und um die Kontaktdaten so zu erfassen, dass am Ende nicht Spider Man, Chuck Norris und Donald Trump auf den Listen stehen, wird wohl mehr Personal notwendig sein als vor der Krise.

Doch eine aktuelle Umfrage der DEHOGA macht hier Mut. Die lange Zeit gebeutelte touristische Gastronomie lag im August mit ihren Umsätzen nur noch 5,7 Prozent unter dem Niveau des Vor-Corona-Augusts 2019 und hat bewiesen, dass mit kreativen Konzepten und großem Durchhaltevermögen zwar noch keine goldene Nase verdient, aber zumindest wirtschaftliches Handeln möglich ist.

Zudem zeigt ein ohne Ansteckungen verlaufenes Modellprojekt in Schleswig-Holstein mit insgesamt 2880 Besuchern in drei Clubs, dass solche Konzepte durchaus funktionieren. Hier kam nicht nur erstmals wieder richtiges Club-Feeling auf – Clubbetreiber Claussen berichtet auch von einer derart großen Dankbarkeit der Gäste, dass der Umsatz pro Person sogar größer gewesen sei als vor der Krise.

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